BBE Gutachten weist deutliche Schwächen und Ungenauigkeiten auf

Zu allen Statistiken und Prognosen gibt es mehr als nur eine Ansicht. Die Prognose der BBE Handelsberatung, über die Auswirkungen einer möglichen Shoppingcenter-Ansiedlung in Singen, ist eine davon. In der Stellungnahme zur Auswirkungsanalyse der BBE, kommt Dr. Donato Acocella, im Auftrag der Stadt Konstanz, zu dem Fazit, dass die Auswirkungsanalyse einige methodische Schwächen aufweist und daher zu einem, für die ECE, positiveren Ergebnis kommt. Insbesondere im Hinblick auf die möglichen Umsatzverlagerungen, als auch bei der Einhaltung des Kongruenzgebots, das besagt, dass die Verkaufsfläche der Einzelhandelsgroßprojekte so zu bemessen ist, dass der Einzugsbereich des Vorhabens den zentralörtlichen Verflechtungsbereich der Standortgemeinde nicht wesentlich überschreitet.

 

Zusammenfassende Würdigung des BBE-Gutachtens

(Gutachterliche Stellungnahme zur BBE-Auswirkungsanalyse zur geplanten Ansiedlung eines Einkaufszentrums in Singen/ Hohentwiel im Auftrag der Stadt Konstanz, S.18 f.).

  • Die Transparenz der Methodik und Berechnungen ist an vielen Stellen nicht nachvollziehbar: Erhebungssystematik, Definition des Einzugsbereiches, Definition einer hohen Umsatzumverteilungsquote gegen den Einzelhandel in Singen/ Hohentwiel, Festlegung der Marktanteile und Verwendung des Marktanteilkonzepts, Zentralitätsverteilung im Raum, Höhe der Umsatzumverteilungen in Abhängigkeit von Distanz und Zentralität des Wettbewerbsortes.
  • Der worstcase-Ansatz ist an mehreren Stellen nicht gewahrt: Höhe der Flächen-leistung, Gruppierung der Sortimente und damit Nivellierung der Ergebnisse, Definition einer hohen Umsatzumverteilungsquote gegen den Einzelhandel in Sin-gen/ Hohentwiel, Definition des Einzugsbereichs – die Kontrollrechnung hat ergeben, dass der Einzugsbereich nach Zeit-Distanzkriterien gemessen, ein völlig anderes Bild, als im BBE-Gutachten dargestellt, ergibt; Annahme des standort- und systemgleichen Wettbewerbs.
  • Die Besonderheit des Raumes und damit die Frage der Einhaltung des Kongruenzgebotes ist weder transparent noch sachgerecht insbesondere unter dem Aspekt der Folgeeffekte bei sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, aufbereitet worden
  • Die Umsatzumverteilungswerte sind tendenziell zu niedrig ausgewiesen und die tatsächliche räumliche Umsatzherkunft ist unklar.
  • Das Kongruenzgebot ist bei mehreren Sortimenten auch unter Ausschluss der Zu-flüsse aus der Schweiz verletzt. Das Kongruenzgebot soll die Maßstäblichkeit der Einzelhandelseinrichtungen sichern, so dass unter prognostischen Gesichtspunk-ten der Zufluss aus der Schweiz nicht missachtet werden darf. Unter diesem Blickwinkel verletzt das Vorhaben insgesamt und nach Sortimenten das Kongruenzgebot eindeutig. Eine andere Bewertung des Kongruenzgebotes erzeugt unmaßstäbliche Einzelhandelsstrukturen entlang des gesamten Hochrheins.
  • Die Neuberechnungen haben gezeigt, dass es sehr wohl Umsatzumverteilungen von 10% und mehr geben kann. Insofern ist das Beeinträchtigungsverbot gegenüber einzelnen Städten verletzt.
  • Die Frage der Verschiebung zentralörtlicher Funktionen zu Lasten der Umlandkommunen und auch gegenüber dem Oberzentrum wird nicht thematisiert, obwohl dieser Aspekt im Plansatz 3.3.7 des LEP Baden-Württemberg als Ziel formuliert ist.
  • Ziele der Landesplanung sind letztabgewogen und bedürfen daher eines entsprechenden Zielabweichungsverfahrens. Das Vorhaben verschiebt die schon vorhandene „Schieflage“ der zentralörtlichen Funktionen im Einzelhandel weiter zu Gunsten der Stadt Singen.

 

Zur gesamten Stellungnahme des BBE Gutachtens