Neubau Einkaufszentrum ECE Singen

Der Unterzeichner ist Eigentümer eines Wohn- und Geschäftshauses in der Scheffelstraße. Als Makler und Immobilienbewerter kann er auf ausreichend Erfahrung mit dem Singener Wohn- und Gewerbeimmobilien Markt zurückgreifen.

Der Neubau eines Einkaufzentrums (ECE), annähernd vergleichbar mit dem Lago in Konstanz, in Singen vis a vis des Bahnhofs ist auf den ersten Blick reizvoll. Ein Warenangebot in zahlreichen Geschäften und bequemes Parken unter einem Dach, welcher Kunde und auch Einzelhändler wünscht sich dies nicht. Beim zweiten Blick auf das Vorhaben drängen sich Fragen auf, Fragen die die Innenstadt betreffen.

Die Scheffelstraße ist jetzt schon das Stiefkind gegenüber der Einkaufslage August-Ruf- Straße. Die Stadt hat die Scheffelstraße zum Sanierungsgebiet erklärt, will hier mittels baulicher Maßnahmen die Attraktivität erhöhen. Was darunter verstanden wird, darüber hüllt sich die Planungsstelle der Stadt in Schweigen.

Wird das ECE gebaut, verschiebt sich das Einzelhandelsangebot auf der August-Ruf-Straße zugunsten des Einkaufszentrums. Die Kundenströme werden vom ECE aufgezogen, große Teile des Einzelhandels werden gezwungen sein ihre Ladenflächen in das ECE zu verlegen. Der Investor des ECE berücksichtigt in seiner Planung bereits einen Stamm von Filialisten, die er mitbringt. Die Miethöhe für diese Ladenflächen gehen in seine Kalkulation ein. An dieser Miethöhe haben sich die Singener Einzelhändler auszurichten, wenn sie ebenfalls ins ECE wollen. Ladenflächen in der August-Ruf-Straße verlieren ihre Betreiber, die Konzentration des Warenangebots im ECE führt zur Aufgabe weiterer Einzelhändler in der Straße und in der Umgebung. In der Konsequenz kommt es zur Verödung der Innenstadt.

Hat die Planungsstelle der Stadt dies bei ihrer Zustimmung berücksichtigt? Die Darstellung von dieser Seite läßt die mögliche negative Entwicklung unberücksichtigt. Planungsdefizit oder Glauben an Gigantismus?

Das Lago in Konstanz hat die attraktive Altstadt an ihrer Seite: Einkaufen wird hier zum Einkauftourismus. Dies kann Singen nicht annähernd bieten.

Als Vermieter von Wohnungen werde ich täglich mit Nachfragen nach bezahlbaren Wohnflächen konfrontiert. Die Nachfrage übersteigt das Angebot in erschreckendem Ausmaß. Hier ist das Engagement der Stadt gefordert. Fehler in der näheren Vergangenheit – Bau des Hegau Towers, Verkauf der GVV – sind schmerzlich spürbar. Kein Wort der Planungsstellen der Stadt, wie sie gedenken dieses Problem mittelfristig anzugehen.

Die Absicht mit dem Neubau ECE und der Sanierung des Scheffelstraßenareals attraktive Stadtentwicklung zu betreiben, bleibt stadtentwicklungspolitisches Stückwerk, wenn kein Gesamtplan für die Entwicklung der gesamten Innenstadt erstellt wird. Und der nicht in Abstimmung mit allen Betroffenen entwickelt wird.

Die Innenstadt muß leben, zum verweilen und kaufen einladen und dies nicht nur im ECE!

 

Hendrik Riemer Pol.-Wiss. M.A.