Wie viele Quadratmeter wird das ECE-Center wirklich haben?

Das blanke Verwirrspiel wird um die schiere Größe des ECE in Singen betrieben. Wollte die Stadtverwaltung noch 2014 maximal 12.500 qm „Fläche“ genehmigen, hat sich diese nun wundersam auf 16.000 qm und mindestens 2.000 qm Gastronomiefläche vergrößert. Gemeint sind wohl die Verkaufsflächen, Nebenflächen werden üblicherweise nicht mitgezählt. Dass diese Vorgehensweise bei der Entwicklung von Einkaufscentren üblich ist, kann nachgelesen werden bei: Walter Brune, Die Tricks und Durchsetzungsstrategien der Entwickler. Ein Bericht aus der Praxis, in: Holger Pump-Uhlmann, Angriff auf die City, Düsseldorf 2006, S. 119 ff., bes. S. 128/129. Alle folgenden Zitate sind diesem Beitrag entnommen.

Die tatsächliche „Verkaufsfläche, die die Kraft eines Centers angibt“, wird üblicherweise mittels zweier Tricks drastisch heruntergerechnet:

  1. „Es wird nur die reine Einzelhandelsfläche angegeben“, ohne jegliche andere wichtige Angebote, wie z.B. Gastronomie.
  2. „Innerhalb der Verkaufsfläche werden verschiedene Flächen“ (wie Handlager, Personalräume, WC) „nicht als Verkaufsfläche ausgewiesen.“ Über Nebenräume kann ein Mieter aber frei verfügen und auch ohne Baugesuch deren Nutzung ändern.

Viele Center-Projekte sind auf diese Weise in Deutschland schon falsch berechnet worden. Die Investoren „täuschen –meist erfolgreich – Öffentlichkeit, Bürger, Einzelhändler, Behörden und Politiker.“

Viele Kommunalpolitiker saßen und sitzen diesen Täuschungsmanövern auf und lassen sich leider „in diesem Irrtum nicht mehr umstimmen und glauben gerne, was der Investor erklärt, anstatt selbst nachzurechnen! Zu verlockend erscheint diese Traumwelt“ (die ja angeblich die Stadt nichts kosten soll!). „30 % und sogar 50 % Flächenmehrung zusätzlich mit verheerenden Folgen für den Innenstadthandel sind das Ergebnis.“

Das Operieren nur mit „Verkaufsflächen“ ist ein durchsichtiges Täuschungsmanöver zur weiteren Steigerung und Verbesserung der Rentabilität und damit gleichzeitig der endgültige Todesstoß für den innerstädtischen Handel. – So erhöht sich auch für Singen die Wahrscheinlichkeit, dass der bestehende Einzelhandel mit Gastronomie in der Innenstadt bis zu 60 % seiner Umsätze an ECE verlieren wird – und dann vielfach dichtmachen muss.

International gilt aber für die Berechnung von Flächen für Einkaufszentren das „Gross Leasable Area (GLA)“, bei der die „gesamte Geschäftsmietfläche des zu erstellenden Centers als Größenbeziehung angegeben wird“. Dies bedeutet, „dass die Konkurrenz zum Innenstadthandel kein aus dem Gesamtbild herausgegriffener Spezialbereich ist, sondern die gesamte entstehende Geschäftsfläche. Gemeint ist, und das ohne Zweifel, die vermietete Ladendienstleistungs-, Verkaufs- und Gastronomiefläche, über die der Mieter nach Belieben verfügen kann“ (so auch höchstrichterliche Entscheidungen in Deutschland, Urt. BVG 27.04.1990 – AktZ. 4 C 36/87 Bay.Verw.GH).

Sie bildet die Kaufkraftbasis des Shopping-Centers, welches den Kundenumsatz aus der Innenstadt abzieht.

Alle Versuche, diese Zahl günstiger darzustellen und in einzelne Bereiche zu zerlegen, sind eine Täuschung der Öffentlichkeit „mit dem Ziel, die negativen Wirkungen solcher Center öffentlich herunterzuspielen“.

So gilt auch für Singen: Die von ECE bislang genannten lediglich 16.000 qm Centerfläche dürften die übliche manipulative Verniedlichung der tatsächlichen Geschäftsfläche sein. Geradezu dreist ist es, die Gastronomieflächen mit mindestens 2.000 qm gesondert auszuweisen, befinden sich diese Flächen doch auch in Konkurrenz zu vorhandenen Gastronomieangeboten in Singen. Hinzu kommt noch die Fläche aus den Kopfbauten an der August-Ruf-Strasse mit mindestens 2.500 qm2.

 

Wir verlangen die Veröffentlichung der insgesamt vermietbaren Flächen, mindestens eine Bekanntgabe der Flächen laut veröffentlichten Dimensionen des Centers.

Wenn ECE die tatsächlichen Zahlen nicht preisgibt, muss die Baurechtsbehörde im Rathaus nachrechnen und die gesamte Nutzfläche bekanntgeben. Nicht nur Singens Bürger dürften dann Bauklötze staunen.

Nach der Centereröffnung gehen die Probleme in der Innenstadt dann erst richtig los – mit bleibenden Schäden an der Innenstadt.   Je größer das Center wird desto schneller   werden die Schäden entstehen  und tiefgreifender sein.

(Autor: Peter Mannherz)