Wieviel Shopping-Center verträgt die Stadt?

Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen:

Handel:

  • Deutschland nimmt mit 1,4 qm Verkaufsfläche pro Einwohner einen Spitzenplatz in Europa ein. In Singen sind dies bereits 3,99 qm Verkaufsfläche pro Einwohner.
  • Entwicklung der Einzelhandelszentralität nach den vorliegenden Ergebnissen deutet einiges darauf hin, dass bei moderaten Angebotserweiterungen und bei Städten, in denen der Zentralitätswert ohnehin schon hoch ist (Anmerkung: Singen Zentralitätskennziffer 184, Textilbereich 300), die Wirkungen von Einkaufscentern auf die Zentralität eher begrenzt sind.

Größe des Centers:

  • Wichtiger Indikator für die Wirkungsintensität des neuen Einkaufscenters ist das relative, durch das Center ausgelöste Verkaufsflächenwachstum in der Innenstadt. Wichtige Hinweise für das Ausmaß der Veränderungen gibt auch hier die Wirkungsanalyse: Mit diesen Werten werden Entwicklungen aufgezeigt, die für aktuelle center-ansiedlungen typisch sind.

Darstellung des Flächenzuwachses und der Fußgängerzonenlänge in den untersuchten Städten

Tabell3

Die Untersuchung zeigt, dass es bei Centern mit mehr als 15.000 qm Verkaufsfläche und/oder wo es zu    Flächenzuwächsen von über 15 Prozent der innerstädtisch vorhandenen gekommen ist, regelmäßig – zum Teil auch deutliche – Veränderungen in den Lagestrukturen des Hauptgeschäftsbereichs auftreten.

Gebäudetypologie:

  • Größe der Baukörper

Die Größe des Baukörpers ist nicht nur aus Gründen der Einzelhandelsverträglichkeit, sondern vor allem auch aus Gründen der stadträumlichen Verträglichkeit zu beschränken. Der Wunsch vieler Investoren, die Center auf zwei oberirdischen und möglicherweise einer unterirdischen Ebene in horizontaler Ausrichtung zu entwickeln, ist zwar betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, korrespondiert jedoch in aller Regel nicht mit den stadträumlichen Anforderungen eines auf die vorhandenen innerstädtischen Baustrukturen Bezug nehmenden Baukörpers. Dies kann kein städtisches Interesse sein. Eine Möglichkeit, den Vorstellungen der Entwickler nach ausgedehnteren Einzelhandelsflächen entgegenzukommen, ohne dabei die kleinteilige Baustruktur aufgeben zu müssen, bieten offene Center, die sich über benachbarte Baublöcke erstrecken, ohne dabei den vorhandenen öffentlichen Raum zu vereinnahmen, sondern diesen respektieren und sich zu ihm öffnen

  • Nachnutzungen bedenken: flexible Strukturen

Empfehlung:

  • Um eine sichere Verhandlungsposition zu haben, müssen in den Städten konsensfähige Ziele fixiert und diese ausreichend klar und frühzeitig formuliert werden. (Anmerkung: Singen Fahle Konzept). Demgegenüber verfolgen die Projektentwickler anderweitige Ziele: Zentrale Unternehmensziele sind – auch wenn bezüglich der Entwicklungs- und Betriebsphasen unterschiedliche Unternehmensstrategien angewandt werden – die Vermarktung einer modernen Betriebsform und die Maximierung des Gewinns. Der umfangreiche Erfahrungsschatz verschafft den Investoren einen deutlichen Kompetenzvorsprung gegenüber den Prozessbeteiligten in den Rathäusern.
  • Wenn größere Umwälzungen in der Struktur des bestehenden Geschäftsbereichs vermieden werden sollen, sind die Flächenerweiterungen durch ein Einkaufscenter in einem moderaten Rahmen zu halten. Das bedeutet konkret, dass bei einer durchschnittlich ausgestatteten Innenstadt eine Verkaufsflächenerweiterung von 15 Prozent bezogen auf die vorhandene innerstädtische Verkaufsfläche nicht überschritten werden sollte. Gleichzeitig sollten bei Städten bis 200.000 Einwohner die innerstädtischen Verkaufsflächen im Regelfall um nicht mehr als 15.000 qm ausgeweitet werden. Dadurch wird einer Autarkie des Einkaufscenters vorgebeugt.